Labyrinth, Fibonaci, Gaudí

Die „Kommunikationsinsel“ – Geschichte einer Entstehung

Funkeln und Glitzern lenkt das Auge des Besuchers, der sich dem Geschwister – Scholl – Gymnasium nähert, auf steinerne Ringe. Farbenfrohe Mosaike auf geschwungenen Flächen kleiden Betonmauern ein. Die Rückenlinien schwingen sich auf und ab wie Wellen, die auflaufen und verebben. Wo ist der Anfang, wo das Ende? Rundlöcher durchbrechen die Mauern, lassen Licht durch, geben den Blick frei und lassen die Mauern tanzen. Zwei Türme mit verspieltem Fähnchen und glitzernden Kugeln lenken den Schritt in den Zugang. Der Weg, gesäumt von Bänken, führt in das Innere von zwei Schnecken. Weich wie auf Moos nimmt der Boden die Füße auf.

Schülerinnen und Schüler tummeln sich in dem Gebilde, die einen zum Austausch ihrer persönlichen Geheimnisse im Inneren der Schnecke, die anderen klettern auf den Mauerrücken. Hoppla, Balancieren gestoppt: da liegt jemand langgestreckt und genießt Wellen und Sonne! Es ist ein Kommen und Gehen, rein und raus aus der „Kommunikationsinsel“.

Was hat es nun auf sich mit Gaudí, Fibonaci und dem Labyrinth? Wie ist dieses außergewöhnliche Objekt entstanden?

Am Anfang stand im Jahr 2007 eine Wettbewerbsausschreibung zum Thema „Klimaschutzpreis“, ausgelobt von der Stadt Winterberg und der RWE.  Im weitesten Sinne war damit auch die soziale Dimension berührt. Gelingende Kommunikation ist eben auch Grundlage eines „guten Klimas“! Der Schüler Johannes Brinkmann aus der Stufe 12 nahm sich des Themas an. In Verbindung mit der Schulleitung wurde ein Platz in der Eingangszone zum Schulgebäude gefunden, für welchen ein Objekt kreiert werden sollte, das den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu Erholung, Rückzug  und Gespräch bieten sollte. Rund sollte dieser Bereich sein, ein Gegenstück zum nüchtern – funktionalen Schulgebäude. Die Entwurfsidee von Johannes Brinkmann fand vor der Jury Gefallen. Er gewann den mit 8oo Euro dotierten Preis für das Geschwister – Scholl – Gymnasium.

Während der Sommerferien 2008 sollten erforderliche Bauarbeiten in Angriff genommen und weitgehend beendet werden. Ausgehend vom ursprünglichen Entwurf Brinkmanns wurden neue Gestaltungsideen von dem Planungsgremium aufgegriffen. Dazu gehörten Bürgermeister Werner Eickler, die Kunsterzieherin Angelika Kleinsorge, der Leiter des Winterberger Bauhofes Alexander Vonnahme und der Schulleiter Franz Rudolf Weber. Es wurde die Zielstellung präzisiert und erweitert. Die Funktionalität stand weiterhin im Mittelpunkt: ein Objekt zu schaffen, das Kinder und Jugendliche in den Pausen gern zum Verweilen aufsuchen. Das Objekt sollte auch ein „Hingucker“ sein. Bürgermeister Eickler betonte die Bedeutung der Gestaltung des Entrees des Gymnasiums für die Entscheidung der Eltern, ihr Kind auf der Schule anzumelden. Von der Schulleitung kam die Idee, durch Rundformen ein  Labyrinth anzudeuten, seit der Steinzeit ein mystisches Symbol für die Wege der Menschen: verschachtelt und unüberschaubar, auf der Suche nach der Lebensmitte.

Unter künstlerischem Aspekt brachte Frau Kleinsorge die Gestaltungskonzeption des von Gaudí in Barcelona geschaffenen Parks ein, dessen Ausstrahlung jährlich ein breites internationales Publikum anzieht. Es wurden schließlich zwei symmetrisch  angeordnete Spiralen entworfen, die zudem eine mathematische Gesetzmäßigkeit der Radien in einer Spirale spiegelten, die „Fibonaci – Radien“, wie Johannes Brinkmann herausfand. 

Zur Realisation eines Vorhabens, das diese Ziele verwirklichen sollte, reichte das als Grundstock eingebrachte Preisgeld nicht aus. Die Pläne der bauausführenden Firma Eickmann erforderten ein Vielfaches des ursprünglichen Betrages. Die Stadt Winterberg, namhafte Sponsoren und vielfache weitere Spenden beim Schulfest im September 2008 erbrachten die erforderliche finanzielle Absicherung. Es entstand ein Baukörper aus Beton in Form zweier Spiralen, die auf einer festen Grundplatte errichtet wurden. Deren Höhenbegrenzung entwickelt sich wellenförmig vom hohen Äußeren zum niederen Inneren. Rundlöcher ( 91 an der Zahl !), die in den Mauerkörper eingelassen wurden, schufen Transparenz zum „Durchblick“. Die massigen, insgesamt 55 Meter erstreckten Mauern, wirken dadurch geradezu filigran. Die Errichtung dieser Spiralmauern fordert höchste fachliche Kompetenz von den Betonbauern, denn es gab keine fertigen Schaltafeln. Die Schalung musste sich den verändernden Höhen und Radien kontinuierlich anpassen! Allen ausführenden Fachkräften ist höchstes Lob zu zollen, ob beim Ausfugen der Mosaike, der Gestaltung der Rückenlinien der Spiralmauern oder der Anpassung der Bänke im Innenlauf der Spiralen: es paarte sich die Fachkompetenz mit der Hingabe, Funktionalität und Ästhetik zu einem Ganzen zu formen.
Zur Vollendung des Baukörpers bedurfte es des glitzernden Gewandes des Mosaiks! Zirka 110 Quadratmeter galt es mit Mosaik zu belegen. Baugeschäfte in der Region stellten farbige Ausschussfliesen zur Verfügung. Jetzt war künstlerische Inspiration und gleichzeitig pädagogische Überzeugung gefordert. Über vierzig Schülerinnen und Schüler, bisweilen über 30 zugleich,  arbeiteten in mehreren Phasen unter Anleitung ihrer Kunsterzieherin Angelika Kleinsorge mit großem Eifer an der Mosaikgestaltung. Der Schwung der Spiralen setzt sich in den übermütigen Schwüngen der farbigen Mosaikflächen fort, erzeugt Heiterkeit und Wohlgefühl! Das i-Tüpfelchen hat Frau Kleinsorge geschaffen, indem sie die Eingangssäulen nach oben mit farbigen Kegeln versah, auf welchen ein spielendes Fähnchen und glitzernde Kugeln angebracht sind.

Tagsüber wirkt das Glitzerwerk der Kommunikationsinsel im Sonnenschein heiter und wohlgelaunt. In der Nacht im Schein des Mondes verbreitet unser Kunstwerk eine mystische Stimmung. Es lohnt sich ein Besuch!

Es gilt allen ein herzliches Dankeschön zuzurufen, die mit ihrer Weitsicht und mit ihrem tatkräftigen Einsatz das Werk ermöglicht und vollendet haben.

Franz Rudolf Weber


Schüler in der Kommunikationsinsel